Freitag, 5. Juni 2009

Die Hundefänger von Frankfurt - Teil 2

Da standen wir also, ich mit Habca an der Leine, der Mann mit seinem angeleinten Hund, und F., der mit dem fremden Hund rang - der wollte ihn genauo gerne besteigen wie mich. Diesmal konnte ich als Zuschauer kluge Tipps geben, wir versuchten eine Leinenführung zusätzlich um den Bauch, wir versuchten Härte und Strenge - dann warf er sich spielerisch auf den Rücken, zappelte und schnappte wieder nach der Leine. Nichts half, er gab nur sekundenweise Ruhe.

Endlich traf die Polizei ein, ein freundlicher Mann in unserem Alter, eine blonde Frau, vielleicht dreißig, und eine Schülerpraktikantin mit dicker schußsicherer Weste. Erst wollte der Mann mit seinem Hund ihnen alles über die alte Anzeige erzählen. F. wurde nur kurz gefragt, ob er klar käme. Der Polizist telefonierte und fragte uns, was das für eine Rasse sei. F. sagte, vielleicht ein Kangal, aber ich stritt das sofort vehement ab - nicht nur, weil ich tatsächlich nicht glaube, dass es ein Kangal war, sondern vor allem, weil der Kangal bei uns in Hessen auf der Liste steht - der Tosa Inu und auch der Mastin Espanol, der mir auch durch den Kopf ging, nicht. War es ja doch mal zu was gut, die Liste auswendig zu können! ;-) Denn obwohl es nicht gerade Spaß machte, mit dem Hund zu ringen, so wollte ich doch sein Bestes, und dass daraus nichts würde, sobald das Wort "Kampfhund" irgendwie im Raum stünde, soviel war klar. "Was glauben Sie denn?", fragte mich der Polizist, und ich sagte vage "irgendein Mollosser", was ihm aber nicht so gefiel, weil er die Rasse nicht kannte. ;-)

Die Polizisten hielten abstand von F.s Ringkampf, ich sah, dass auch er erschöpft war. Irgendjemand sollte kommen, ein Hundefänger vielleicht, es wurde weiter telefoniert. Ich versuchte dem Polizisten zu vermitteln, dass dieser Hund nicht aggressiv und nicht gefährlich sei, aber ich verstand, dass es ihm bei diesem Anblick schwer fiel, das zu glauben. Zwischendurch bat ich die Praktikantin, Habca zu halten, und versuchte noch eine andere Leinenführung und den Hund zu zweit zu halten. Ich überlegte, eine zweite Leine zu holen, oder irgendetwas, was ihn beruhigen konnte - ob er etwas kauen würde. Aber F. bat mich, zu bleiben. Später erzählte er mir, dass er sich nicht so sicher über die Harmlosigkeit des Hundes war, und es ihn beruhigte, dass ich diese immer neu wiederholte. Ich versuchte, das Verhalten des Hundes zu erklären – er war jung, unkastriert, nicht ausgelastet und vollständig unerzogen. Aber ich war mir die ganze Zeit über vollständig sicher, dass er nicht aggressiv uns gegenüber war, und uns nichts tun wollte. Das einzige, was passieren konnte, war, dass er uns umwarf.

Keiner machte Anstalten, uns zu helfen. Viel später erst, beim Betrachten von Fs verletzten Händen, dachten wir, dass es schon gut gewesen wäre wenn uns der Polizist seine schicken Lederhandschuhe geliehen hätte, die er trug. Die Beamten blieben in sicherem Abstand, hatten offensichtlich etwas Angst, und schließlich sagte er zu uns: "Gut, dass sie hier sind und sich so gut auskennen. Ich hätte mit dem nicht so lange rumgefackelt." Was er damit meinen könnte, erscheint mir unzweideutig, und ich kenne es noch nur zu gut von Berliner Vorfällen.

Also warteten wir. Ab und zu lag der Hund still, F. konnte dicht am Kopf einen Fuß auf die Leine stellen. Aber irgendwann sprang er wieder auf, und er war einfach zu schwer für uns. Nach einer gefühlten Ewigkeit näherte sich Blaulicht und Sirenengeheul, ein Polizist der Hundestaffel kam, und während ich schon schlimmen Aktivismus befürchtete, öffnete er das Auto und bat F., den Hund in die Box zu verfrachten. Der ließ das anstandslos mit sich machen, während ich doch ein wenig darüber staunte, dass auch der professionelle Hundeführer keine Anstalten machte, uns zu helfen.

Es wurde nun weiter telefoniert, verhandelt, ein Passant kam, der den Hundehalter kannte. Wir beschlossen, mit Habca eine Beruhigungs-Morgenrunde zu gehen. Eine Hundehalterin, mit der wir sprachen, und die die Geschichten vom "Schrottplatzhund" kennt, erzählte uns, den könne niemand anfassen. Die Polizeiwagen standen noch lange an der Ecke.

Und die Bilanz?
- bei F.: Brandblasen an den Händen von der Leine
- bei mir: Prellung am Knie und Aufschürfungen an den Händen
- bei Habca: leider auch ein oberflächlicher Kratzer (kein Biß), den wir beim Tierarzt desinfizieren ließen
- für den unbekannten Hundehalter: wahrscheinlich kriegt er seinen Hund zurück, da nichts konkretes vorliegt. Die Anzeige vom anderen Hundehalter wird wohl wieder aufgenommen, aber ob das für eine Beschlagnahmung oder gar ein allgemeines Haltungsverbot reicht?
- für den Hund: entweder er kommt zurück in seine jetzigen Lebensumstände - oder er kommt ins Tierheim. Und da haben große 80kg-Molosser die schon mal gebissen haben bestimmt gaaanz gute Vermittlungschancen...

9 Kommentare:

Emil hat gesagt…

Mutig, mutig - und: Glück gehabt! Ich hab zwar auch keine Angst vor Hunden, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mich auf den "Ringkampf" mit dem Rüden eingelassen hätte. Ich habe im TH mal erlebt, dass ein für mich total harmloser Doggen-Mix-Rüde, den ich öfters ausführte, eine Frau heftig in dem Arm gebissen hatte, die seine Besteigungen abwehrte. Ich kenne als Alternative nur die relativ sichere Fang-Methode mit der Schlinge an der Stange, oder die Methode mit 2 Menschen und 2 Leinen.
Könnte es nicht ein Rhodesian Ridgeback gewesen sein? Rüden dieser Rasse sind zum Teil extrem groß und schwarze Masken gibt es soweit ich weiß auch.
VG Birgit

Dixie hat gesagt…

Huhu,
bin gluecklich, dass es fuer euch gut ausgegangen ist, und sehr froh ueber euren Einsatz.
Der Hund kommt bestimmt wieder zurueck zu seinem Besitzer. (Ist halt Frankfurt..)
Es gab im Gewerbegebiet hinterm Toom einen Schrotthaendler, der hielt immer nur Bullmastiffs, ansonsten waere der Besitzer auch in der Ahornstr. auszumachen. ;-)

Liebe Gruesse,
Diana

BamBams Frauchen hat gesagt…

Oh Mann, das ist ja ne Geschichte für ein Buch. Selten so was spannendes in einem Hundeblog gelesen. Bin ich froh, dass ihr heile seid. Ich gestehe, dass ich vor den molosserigen Schiss habe, wenn sie ohne Mensch daher kommen. Ich glaube ich hätte nicht versucht, ihn einzufangen und nur die Polizei gerufen.

Sehr mutige Aktion, die auch leicht hätte schief gehen können.

Erleichterte Grüße
Bambams Frauchen

BamBams Frauchen hat gesagt…

Übrigens, das ist ein Kangal: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%87oban_K%C3%B6pe%C4%9Fi
(hoffentlich klappt das mit dem Link) Sonst guck bei Wiki

Habca und Miriam hat gesagt…

Ja, im Nachhinein betrachtet war es vielleicht nicht ungefährlich. Aber ich war mir intuitiv die ganze Zeit sicher, dass dieser Hund keinen Menschen verletzen wollte. Ich weiß nicht, was ich sonst gemacht hätte - es gab ja nur die Alternative ihn auf der Kreuzung laufen zu lassen, das hätte nicht nu für ihn gefährlich werden können. Hätten wir gewusst, dass es dermaßen lange dauert bis jemand mit einer Box kommt, dann hätte ich sicherlich zumindest eine zweite Leine geholt.

Für den RR war er zu breit, zu massiv und schwer im Knochenbau. Kangals kenne ich ja, deshalb glaube ich auch nicht dass es einer war. Wahrscheinlich der Bullmastiff den Du schon kennst, Diana. Wenn Du Recht hast über Frankfurt, treffe ich ihn ja sicher bald wieder, vielleicht stecke ich ein paar Lederhandschuhe ein. Und vielleicht Knieschoner (autsch). ;-)

F. und ich haben noch lange hin- und herüberlegt, was man hätte aners/ besser machen können. Ich denke, ich würde nächstes Mal versuchen mit dem Hund in Bewegung zu bleiben. Er hat sich ja problemlos anleinen und mitnehmen lassen, erst als wir da rumstanden ging das Theater los.
Achja: Und Krafttraining machen. Und mehr Schokolade essen. Wer schonmal Perdita Lübbe gesehen hat, weiß, wieso sie bei aggressiven Riesenviechern mehr Chancen hat. ;-)

Danke für Eure Anteilnahme!
Miriam

Dixie hat gesagt…

Alternativ zur Schokolade biete ich hiermit "Hatherwood - Luxury Caramel Shortcakes" an. Jeden Abend 2-4 Stück kräftigt Körper und Seele :-)

Gruss,
Herr Chen

Indigo hat gesagt…

Hut zieh vor euch......
grossartig !!

Bussi an Habci
Umarmung an Frau M.
Fünf geb an Herrn F.

Stubs, Knuff Indi

Veronique, Dobby & Lynn hat gesagt…

ui, der hätte mich mit meine 45kg nicht nur umgeworfen sondern gleich durch die gegend geschleudert!!! ich finde es toll was ihr gemacht habt!!! *daumen-hoch*

Roki hat gesagt…

Die Polizei, dein Freund und Helfer...irgendwie stell ich mir das anders vor.
Ihr seid souveräne Hundeleute.

der Roki