Donnerstag, 2. Juli 2009

Mittwoch

Gestern habe ich es endlich geschafft Frauchens Finger ordentlich abzulecken. Was für ein Zirkus! Jedenfalls ist die Heilung jetzt richtig in Gang gekommen und sie wird sicher bald wieder selber schreiben. Da wollte ich Euch noch rasch vorher etwas erzählen.

Mittwochs geht Frauchen immer ohne mich weg. Sie geht in die Bücherei (nicht, wie früher, Arbeiten in der Bibliothek, neinnein: in die Bücherei). Und das ist sehr interessant. Sie bringt von dort einen Stapel Bücher mit. Die riechen nach fremden Leuten. Und wir bewahren sie auf, bis sie nach uns riechen! Frauchen schnuppert an den Büchern. Sie sitzt mit ihnen auf dem Sofa und nimmt sie sogar mit ins Bett! Ich lecke manchmal ein bisschen. Dann riechen sie nach uns! Und dann trägt Frauchen sie zurück und bringt neue mit, und die Bücher, die wir vorher hatten, die kriegt dann ein anderes Rudel. Ich finde das wirklich sehr interessant.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Treibball-Seminar

Frauchen kann immer noch nicht recht tippen, deshalb soll ich Euch von unserem Seminar letzten Samstag erzählen.

Das war ein Seminar für Hütehunde, aber Frauchen hat mal gesagt, dass nicht überall und immer so sehr zwischen Treibhunden, Schäferhunden, Hütehunden und Herdenschutzhunden differenziert wurde wie bei uns heute. Ich selbst zum Beispiel achte zwar ganz gerne darauf, dass alle zusammen bleiben, aber ich sehe mich eher als Herdenschutzhund: unabhängig, stark, souverän, unbestechlich, territorial, groß...

Das Seminar richtete sich auch an Herdenschutzhunde. Zuerst richtete sich jeder ein Lager ein. Dafür hatten alle extra viele Sachen mitgebracht: Stühle, Sonnenschirme, Decken, Hundeboxen, Hundebetten, Näpfe, Bälle in verschiedenen Größen... Unser Lager bestand aus einer großen grünen Wolldecke, auf die wir uns setzten, meinem Wassernapf, unserer Schatztasche voller Futter und Spielzeug, und meinem riesigen neuen Ball. (Der ist toll: wenn man ihn nur leicht mit der Nase berührt, gibt er Leckerchen! Frauchen hat gesagt, er hat nur zwei Euro gekostet, das ist weniger als eine Packung Greenies!)

Ich habe gerochen, dass es Frauchen nicht so wohl war an dem Tag, es war auch ziemlich schwül. Aber ich habe ihr gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen, ich würde mich um alles kümmern. Dann habe ich mich in die Mitte der Decke gelegt und souverän geguckt und darauf geachtet, dass niemand uns zu nahe kam. Ich habe mein tiefes Do-Khyi-Grollen geübt, aber wenn jemand die kritische Distanz unterschritten hat, habe ich mich blitzschnell in einen keifenden Lhasa-Apso verwandelt! Alle waren beeindruckt. Ja, ich denke ich war an diesem Punkt der beste Seminarteilnehmer. Einige liessen doch etwas an ihrem Verständnis von Territorialität zweifeln, andere hatten Schwierigkeiten, bei der Hitze überhaupt wach zu bleiben.

Dann mussten F., ich, und unser neuer Ball in die Mitte des Lager-Halbkreises treten und sollten dort eine Zeremonie aufführen. Moment, habe ich gesagt, aber nicht ohne Frauchen! Und habe sie rasch geholt. Herrchen hat mit Frauchens Klicker rumgespielt. Häh, habe ich gesagt, das machst Du doch sonst nicht? Und ich habe von einem zum anderen geschaut. Dann hat F. auch noch mein FunMot unter meinen neuen Ball gelegt und "such" gesagt. Häh, habe ich gesagt, ich bin doch nicht blöd, Du hast es doch selber gerade unter den Ball gelegt, und ich habe es ihm gezeigt. Ob ihm auch die Sonne nicht bekommt? Ich beschloss, unser Lager noch etwas besser zu behüten.

Dann saßen wir also wieder auf unserer Decke rum. Ein kleiner Jungspund raste plötzlich auf uns zu, hah, den habe ich mit einem Scheinangriff zum Stehen gebracht! Ich wusste nicht, dass Frauchen meine Schleppleine in der Hand hatte, und habe mich gewundert, dass sie plötzlich hinter mir auf dem Bauch lag. Frauchen, ich mach das schon, habe ich gesagt, ich kümmer mich drum, ruh Du dich aus, dir ist doch nicht wohl. Dann war F. plötzlich sehr besorgt, aber Frauchen hat gesagt es wäre alles okay, und wir sollten uns mit unserem Ball mal eine ruhige Ecke suchen. Ich bin erstmal kurz etwas rumgestromert, um mich zu erholen und in Ruhe zu pinkeln, und dann haben F., Frauchen, der Ball und ich das Nasenballstupsspiel gespielt, das war echt klasse. Ich kann es gar nicht glauben, dass man für so was einfaches Leckerli kriegt! Müsst Ihr auch mal probieren! Immer wieder blieb ich stehen und blickte die beiden ungläubig an. Echt nochmal? Wird Euch das nicht langsam... ein kleines bisschen langweilig? Nein? Also gut. Sie haben sich immer so gefreut wenn ich den Ball angestupst habe! Naja, F. zumindest. Frauchen war ein bisschen blass geworden. Und biss die Zähne zusammen. Dann ging sie weg und ich habe mir große Sorgen gemacht, und als sie zurückkam, hatte sie sich einen großen Pfotenverband um die Hand gemacht. Dann haben wir noch so dies und das mit dem Ball gemacht. Manche Hunde sind da immer draufgesprungen, so ein Quatsch! Ich habe dafür gesorgt, dass uns niemand mehr zu nahe kam, denn mit Frauchen stimmte was nicht, das war klar.

Später sagte Frauchen zu F., dass sie und ich eine Pause bräuchten, und wir sind ein Stück spazieren gegangen, und die beiden haben geredet, aber ich weiß nicht was, weil ich mit meinem FunMot gespielt habe. Dann sind wir plötzlich nach hause gefahren.

Ich habe später gemerkt dass Frauchen eine total krasse Wunde an der Hand hat, und wollte sie ihr richtig säubern. Aber sie lässt mich nicht! Ich versuche es weiter, denn sonst kann das doch nicht heilen.

Frauchen sagt, jetzt hätte ich gar nichts vom Treibball geschrieben. Hab' ich aber doch, oder?

Dienstag, 30. Juni 2009

Frisbee

Frauchen hat an zwei Fingerhälften keine Haut mehr. Deswegen kann sie nicht tippen. Hat irgendwie mit dem Seminar am Samstag zu tun, und auch mit mir... aber Schuld sei ich nicht, sagen sie.

Jedenfalls zeige ich Euch jetzt erstmal ein paar Frisbeebilder von F. und mir. Das war gestern, am idyllischen Mainufer, und ich war mächtig gut.

Die krieg ich, Herrchen!

Ich kann fliiegen!
Und was ist das?

Kleine Pause, oder: Ich in meiner ganzen Schönheit. Mit Denkerzunge.

Der neue Trick ist auch nicht mehr neu. ;-)

Hab ich dich!

Und dich!
Und was kommt jetzt?


Ich könnte ja noch (nach dem Bad im Main), aber Herrchen macht schlapp...

Mittwoch, 24. Juni 2009

Wieso Spurenlesen so anstrengend ist

Wer mit seinem Hund schonmal gefährtet hat, oder Mantrailing ausprobiert, oder andere Nasenarbeit, der weiß, dass hund danach ganz schön groggy ist.

Die herkömmliche - und sicher auch richtige - Erklärung ist, dass Fährtensuche für den Hund geistig anstrengend ist. Und geistige, mentale Anstrengung ist für die Auslastung sehr wichtig. Wer immer nur joggt oder Fahrrad fährt, um den Hund müde zu machen, kann je nach Hund schnell merken, dass der Vierbeiner schneller Kondition aufbaut als der Mensch. Es wird immer schwieriger, ihn auszulasten. Unausgelastete Hunde sind eher unzufrieden und entwickeln eher Verhaltensstörungen. Bei geistiger Auslastung oder ausgewogener psychophysischer Auslastung ist der Gewöhnungseffekt geringer, und die Anforderungen sind leichter zu steigern: Ein Suchspiel immer ein bisschen schwieriger zu machen ist leichter als jeden Tag 100km radzufahren.

Aber zurück zur Nasenarbeit: Die Hunde sind danach so auffällig müde, weil sie geistig gearbeitet haben- aber auch, weil sie eine ganz besondere körperliche Arbeit geleistet haben: Beim Verfolgen einer Fährte ändert der Hund seine Atmung, die Atemzüge werden während des Einatmens auf charakteristische Weise unterbrochen. Anhand von Blutuntersuchungen kann man nachweisen, dass das eine große körperliche Anstrengung ist.

Also, wer seinen Hund nicht müde kriegt, hat jetzt gleich zwei Gründe, Nasenarbeit auszuprobieren. Aber immer daran denken, nach spätestens 20 Minuten dem Hund eine richtige Pause zu gönnen.

Sonntag, 21. Juni 2009

Wozu Filz gut ist

Habca filzt in den letzten Wochen sehr, und mich ärgert das natürlich, weil ich mit dem Kämmen und Bürsten und Knoten auftrennen gar nicht hinterherkomme.

Aber heute waren wir für ihr dichtes, etwas knotig-filziges Unterhaar sehr dankbar!

Beim Spaziergang am Main störte sie nämlich etwas am Hinterbein, sie hüpfte und warf sich hin um nachzusehen und zu lecken, und F. ging ihr helfen. Ich wollte gerade sagen, dass er sie ruhig erstmal allein versuchen lassen soll, weil sie in der Hinsicht nämlich recht verwöhnt ist, als er "Oh Mist" sagte. Habca hatte einen kleinen Angelhaken mitsamt Angelschnur im Fell - gottseidank im Fell, in der filzigen Unterwolle verhakt und steckengeblieben.

Liebe Angler, wir haben immer Tütchen dabei und machen unsere Hinterlassenschaften weg - einen Angelhaken mit Schnur rumliegen zu lassen ist echt eine Sauerei und hätte auch für Vögel und Katzen schlecht ausgehen können.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Von Krähen und Kaninchen

Wenn wir "normal" spazieren gehen, gehen wir an den Main. Aber wenn wir "nur kurz rausgehen", dann gehen wir "zwischen die Häuser". Das ist ein kleiner Park mit Wiesen und Bäumen und Bänken und Glasscherben und unsozialisierten Flexirüden und gruseligen Geschichten und ein paar Spielkameraden - direkt um die Ecke.

Es gibt dort wahnsinnig viele Kaninchen. Im Moment haben die Kaninchen Babys, die sind ungefähr halb so groß wie meine Hand. Habca interessiert das alles ja nicht besonders, aber andere schon, so dass immer wieder tote Kaninchen auf der Wiese liegen. Ein Hundebesitzer ("Tommy-Herrchen") erzählte mir kürzlich, es seien die Krähen, die die Kaninchen angreifen. Da glaubte ich auch zu verstehen, weshalb ich so oft Kaninchen sehe, denen ein Auge fehlt.

Soweit die Vorrede, gestern beobachteten Habca und ich etwas Ungewöhnliches.

Auf der Wiese hüpften zwei Krähen um ein Kaninchen herum, flatterten immer wieder auf, aber liessen nicht ab. Das Kaninchen verschwand nicht, wie gewöhnlich, im Gebüsch, sondern machte geradezu Jagd auf die Krähen, lief immer wieder direkt auf sie zu, so dass sie kurz hochflogen. So ging das Spiel hin und her, und ich hatte einen Verdacht, wieso sich das Kaninchen so seltsam verhielt. Ich schaute mir das Gebüsch hinter ihr mit zusammengekniffenen Augen näher an, und entdeckte tatsächlich mehrere vielleicht fingerlange Kaninchenbabys. Offenbar hatten die Vögel es auf die abgesehen, und die Kaninchenmama versuchte sie zu verteidigen.

Ich nahm Habca ins Fuß und wir näherten uns der seltsamen Szenerie, ich war aber unsicher, was ich tun sollte: Habca die Vögel aufscheuchen lassen? Würde sie verstehen, dass sie das Kaninchen in Ruhe lassen sollte? Die Vögel ablenken? Das Kaninchen erst ins Gebüsch jagen? War es überhaupt gerechtfertigt einzugreifen? Ging es mir darum, dass Kaninchenbabys um einiges niedlicher sind als große Krähen? Wollte ich die Gewalt, wie ein Vogel ein Kaninchenbaby zerhackt, bloß nicht mitanschauen? War das nicht eine ganz natürliche Sache, zumal hier ganz offensichtlich eine Kaninchenüberbevölkerung herrscht?

Ich stand da, und grübelte, Habca neben mir im Sitz, einige Meter von Vögeln und Kaninchen entfernt. Die fanden uns wiederum so seltsam, dass die Situation einfach endete, die Vögel flogen weg, das Kaninchen lief zu seinen Babies und verschwand mit ihnen, und Habca hatte sich ein Lob und einen Keks ob ihrer jagdlichen Standruhe verdient.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Rally(e) Obedience

Als ich vor einiger Zeit mit Anja und ihren Jungs (Borderjüngling Merlin und Bordermix Mogli) spazieren ging und wir uns über Hundesportarten unterhielten, fiel ein Begriff, den ich noch nie gehört hatte: "Rallye Obedience". Das konnte natürlich nicht so bleiben, und so belegten wir gestern abend in Anjas Hundeschule einen Workshop "Rally Obedience zum Kennenlernen".

Bei nur drei teilnehmenden Mensch-Hund-Teams konnte Anja ganz individuell auf jeden eingehen, und Habca, F. und ich hatten Riesenspaß. Überhaupt sieht Anja Rallye Obedience recht locker - nach amerikanischen YouTube-Videos, die ich noch angeschaut hatte bevor wir gestern abend losfuhren, hatte ich ja doch so meine Befürchtungen ob das überhaupt was für uns wäre - dieses ewige nur Bei-Fuß-Kleben störte Habca und mich nämlich schon beim Dogdance.

Aber davon gestern abend keine Spur!

Nun aber für die Noch-nicht-Eingeweihten unter den Lesern ersteinmal eine kurze Erklärung: Für Rallye Obedience wird ein Parcour aufgestellt, der aus Schildern besteht. Jedes Schild ist eine Station, an der eine Aufgabe ausgeführt wird. (Die Aufgabe steht drauf, muss man sich nicht merken.) Die Aufgaben reichen von sehr einfach ("Sitz") bis zu etwas komplizierter (Hund sitzt, Mensch dreht um und geht im 270°-Winkel weg, ruft dann den Hund in den Vorsitz und macht ein obediencemäßiges Finish). Offiziell gibt es 46 solche Schilder, aber Anjas Idee, dass man sich auch selber Sachen überlegen kann, bzw. das einbaut, was man gerade gerne trainieren will, gefiel mir noch viel besser. Habca freute sich gestern über eine Hürde und einen Reifen, war aber auch sehr stolz ihren "spanischen Angeberschritt" vorführen zu können während wir Hütchen umkreisten. ;-)

Super ist auch, dass man nicht viel Ausrüstung braucht, um loszulegen. Bei www.spass-mit-hund.de kann man sogar Schilder herunterladen und bekommt Tipps wie man sich Schilderständer basteln kann.

Habca war gestern abend in Bestform und hat auch in ihren Wartezeiten mächtig angegeben mit Pfotegeben und Rolle machen, war entspannt und hatte im Parcours richtig Spaß. Und ich auch, deshalb wollen wir das gerne wieder machen! Mal schauen, in welcher Form und mit wem... ;-)

P.S.: Wenn Ihr mehr wissen wollt und Euch der Suchmaschine Eures Vertrauens zuwendet: Es gibt sowohl die Schreibweise "Rally Obedience" als auch "Rallye Obedience".